Mahammadat

Autor: Roger König
Sonntag, 19 September 2010

  • (...) Also waren wir einmal mehr mit dem Schiff unterwegs. Das letzte Mal. Das hatte ich mir und den anderen geschworen. NIE war es gut gegangen. Entweder das Boot sank einfach so, oder es sank, während wir darin angekettet waren. Und selbst jetzt, wo das Boot zwar fahrtüchtig schien, MUSSTE ja etwas schief gehen. Helvetian hatte doch schon mal ein Unwetter vorhersehen können. Aber nein, dieses mächtige Unwetter war natürlich PLÖTZLICH aufgetaucht. Glücklicherweise, ach was red ich von Glück. Angrosch sei Dank, schaffte dieser blutjunge Kapitän es das Schiff in den nächsten freien Hafen zu retten. Aber was für ein Hafen. Piratengesocks wohin man nur schaute. Während der Kapitän noch mit dem Hafenmeister verhandelte wurden schon Teile des Schiffes, das uns hierher gebracht hatte, abmontiert. HA. Das geschieht ihm Recht und ist ihm sicherlich eine Lehre. Helvetian, der unser Gold (hoffentlich gut) hütete kehrte mit uns in einer Hafenspelunke ein. Entweder die Männer darin spielten Würfelspiele, prügelten sich oder tranken einfach nur. Ab und zu flog auch mal einer durch die Tür oder Fenster. Beinahe gemütlich. Nur Escalio stand so einem großen, steinalten, wankenden Piraten im Weg, was dieser ihm auch sagte. Und Bursche hatte er ihn genannt. Ja, da hatte er geguckt. Haha.

    (...) Wie dem auch sei. Unser nächstes Ziel war also Khunchôm. 'Ich bin dabei', hatte ich gesagt, 'aber nur wenn wir diesmal den Landweg nehmen.' Und sie beugten sich endlich meinem Wunsch. Hatten wohl auch endgültig genug von diesen unsicheren Schiffsfahrten. Wir hatten da auch schon die meisten der Werkzeuge und Utensilien, die wir nicht mehr benötigten verkauft und uns Ausrüstung samt Proviant für diese uralten Goldmünzen gekauft. Bei Angrosch, die waren sicherlich mehr wert, als die paar Dukaten, die sie uns hier dafür anrechneten.

    (...) Nach etlichen Tagen erreichten wir endlich Khunchôm. Die Tulamiden verstanden schon was von der Baukunst. Zumindest für Menschen. Marik blieb schon wieder die Spucke weg. Jede Stadt und selbst das Dorf von He-She war prächtiger als seine Heimat Andergast. Haha. Nur was diese ganzen Zwiebelartigen Turmspitzen sollen, muss mir nochmal jemand erklären. Die Straßen dort sind so groß und weit, dass  dort Drachen aufrecht entlang laufen könnten. Gerade hatte ich meine Gefährten über die Gefahr, des plötzlich auftauchenden Drachen erzählt, da musste ich mir doch wirklich von Helvetian anhören, dass ich 'nur am Nörgeln sei' und dass es mit Hügelzwergen doch viel einfacher sei. Sein Onkel soll ein Hügelzwerg sein. Das ist schon ein komischer Gesell, der Helvetian. Ein Onkel Hügelzwerg, der andere  Zauberer, der Vater ein gefeierter und gestandener Held.

    (...) Endlich betraten wir ein Gebäude, in dem sich der Marktplatz befand. Hab ich so auch noch nicht gesehen, aber alles ist besser als diese offenen Straßen und Wege. Nachdem wir unsere Waffen abgeben mussten, gabs auch gleich Wein und Bier zum probieren. Gefielen mir immer besser diese Tulamidischen Bräuche. Auch wenn das Bier sich nicht von den anderen Bieren auf meiner Reise unterschied. Der Getränkehändler wollte Lynn gleich hereinbitten und zu seiner Frau machen. Haha. Wir ließen die beiden machen und betraten die nächste Hütte. Ein Geldwechsler namens Acham interessierte sich für die letzten dieser Goldmünzen, die He-Sche uns gab. Der Acham hatte mehr Frauen und Kinder, als Finger an seinen Händen. Schien aber in Ordnung zu sein und sollte uns später nochmal helfen. Ohne ein Geschäft zu tätigen, sahen wir uns weiter auf dem Basar um. Bei so einem Trödler, der Bücher und Pergamente verkaufte verweilten wir dann gefühlte Stunden. Marik kaufte mehr als er tragen konnte und doch waren die Waren des Trödlers nicht merklich weniger geworden. Und sogar ich fand 2 Bücher, die ich mir kaufte. Eines davon machte sofort einen vertrauten Eindruck auf mich und ist auch noch mit einem EINDEUTIG zwergischen Schloss versehen. Wenn darin mal nicht die größten Geheimnisse unseres Volkes verborgen sind. Wo ich das Buch versteckt habe? Hahaha. Das erfahrt ihr nie. Das Andere Buch werde ich in dem nächsten Efferdtempel spenden. Besser als wertvolles Gold und für die sicher genauso wertvoll. Warum ich da überhaupt was spende? Naja, Angrosch' Dien.. ich meine Gefährte Efferd war mir ja schon mehr als einmal Hold. Wenn ich da nur an das verfluchte Grangor denke. Pah.

    (...) Wir wollten uns nun endlich ein Zimmer nehmen, aber egal wo wir fragten, waren die Preise entweder völlig überteuert oder die Gaststätte war ausgebucht. Der Grund dafür war das anstehende jährliche Gauklerfest, dass in Khunchôm stattfand. Also machten wir uns auf zum Festplatz. Und wie wir es uns schon gedacht hatten, waren die Gaukler, die wir ja bereits aus Andergast und Andrafall kannten, bereits vor Ort. Nach einer herzlichen Begrüßung halfen wir ihnen beim Aufbauen ihrer Wagen und wurden danach mit Speis und Trank versorgt.

    (...) Irgendwann kam Helvetian aus dem Wagen der Wahrsagerin Sephira und sah wie schon beim letzten Mal recht nachdenklich aus. Keine Ahnung, was die ihm immer erzählt. Doch da kam er plötzlich zu Parinor, Lynn und mir und sagte, sie wolle uns 3 sehen. Da wurde mir dann doch etwas mulmig. Sie legte uns Dreien gemeinsam die Karten. selbst wenn ich wollte, ich könnte ich ihre Worte gar nicht im Kontext wiedergeben. Alles was ich noch weiß, ist dass sie sagte, dass wir 3 noch lange miteinander reisen würden. Das bedeutet wiederum, dass ich auf Parinor und Lynn aufpassen muss. Obwohl Parinor passabel mit dem Schwert ist, sein jugendlicher Leichtsinn bringt ihn immer wieder in Schwierigkeiten oder zu Boden. Und Lynn.. Ach Lynn. Als wir Sephiras Wagen verließen, schnappte ich mir das nächste Bier und musste meine Gedanken erstmal schweifen lassen. Parinor gings wohl ähnlich und ging sich die Beine vertreten. Astram hinterher.

    (...) Plötzlich war Helvetian wieder da. Wo war der die Zwischenzeit eigentlich? Auf jeden Fall schnappte er sich die nächste Flasche Wein und trank sie auf Ex. Er schien völlig fix und fertig zu sein. Auf Nachfrage, kam heraus, dass er sich soeben mit seinem Onkel unterhalten hat, nach dem er ja eigentlich auf der Suche ist. Also dem Zauberer-Onkel und nicht dem Zwergen-Onkel. 'Tolle Verwandtschaft, die einen so zum Narren hält', dachte ich mir, sagte aber lieber nix. So betrunken hatte ich Helvetian noch gar nicht gesehen. War aber lustig mit anzusehen. Haha.

    (...) Am nächsten Morgen war dann Schluss mit Lustig. Wir erhielten die Nachricht, dass Astram und Parinor verschwunden sind. Natürlich. War ja klar, dass die beiden zusammen nur Mist machen können. Haben sich 2 Pferde von den Gauklern geliehen und einen kleinen Ausflug gemacht. Hervorragend. Da nehm ich mir noch vor, auf den Parinor aufzupassen und dann sowas. Und das einen Tag nach Sephiras Prophezeiung. Wie sich herausstellte, sind die beiden wohl nicht nur verschwunden, sondern Häschern von Sultan Hasrabal in die Hände gefallen. Dieser ist dafür bekannt, Gefangene auf Strafexpeditionen in die Gorische wüste zu schicken. Die Nachrichten wurden immer schlechter. Für mich stand jedoch fest, dass wir Parinor befreien mussten. Nur wie?

    (...) Nachdem wir bei der hiesigen Magierakademie  waren und ihnen dort die Fundstücke aus dem vermutlich myranischen Luftschiff anboten gegen Hilfe bei unserer Expedition in die Gor, machte die Akademie uns ein Angebot, das Helvetian knallhart ablehnte. Haha. Den Blick von diesem Zauberer werde ich nie vergessen. Auf jeden Fall nahmen wir dann die Hilfe der Gaukler an, die uns einen Wagen und Proviant gaben. Fehlte nur noch Ausrüstung. Helvetian und Escalio machten sich also wieder auf den Weg zu Acham und als sie wieder kamen, gingen wir zu Achams Schwager, der ein Schmied war. Jeder bekam die Rüstung, die er sich wünschte, außer mir. Ich musste mich mit einem viel zu großen Kettenhemd begnügen. Wäre doch bloß etwas mehr Zeit gewesen, dann hätte ich es mir selbst gekürzt. Aber so musste es eben gehen. Der Patriarch hatte uns noch eine Karte gemacht, damit wir ungefähr wüssten, wo es hingeht.

    (...) Irgendwann erreichten wir dann auch den Tafelberg. In der nähe einer kleinen Baumgruppe errichten wir unser Lager und wollten am - nächsten Morgen nach einer Aufstiegsmöglichkeit suchen. Was wir dann aber in der Nacht sahen war nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns noch bevorstand. Der rote Sand der Wüste floss in Strömen vom Tafelberg hinab und gelber Schwefelnebel war überall. Dort wo der Nebel war, verloren die Pferde Haare. Um dem Nebel zu entkommen, übernachteten wir im Wagen.

    (...) Am nächsten Tag gelang uns nach Stunden auch endlich der Aufstieg, aber was wir in der Gor erlebten oder überlebten, werde ich euch nicht erzählen. Die Gor ist ein in jeder Hinsicht verfluchter Ort und alles was man dort findet, beschreibt namenloses Grauen. Und ja, wir haben Parinor und Astram gefunden. Aber über die Umstände dessen werde ich mich ausschweigen. Denn Angrosch ist mit mir.

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