On the road again...

Autor: Roger König
Montag, 24 August 2015

  • Es ist schon wieder geschehen. Gott verdammt, es ist schon wieder geschehen! 3 Jahre nach dem letzten, ähm.. Zwischenfall, dachte ich eigentlich, das läge endlich hinter mir. Mein Psychiater damals hat mir empfohlen, Dinge, die ich mit niemandem besprechen könnte - ich sagte, ich müsste ihn töten, wenn er wüsste, was ich weiß - nieder zu schreiben. Nur für mich. Das will ich jetzt dann mal tun, in der Hoffnung, dass die Verarbeitung des Erlebten mir leichter fällt. 

    Ich kam gerade von #SDCC15 und da mein nächster Halt die WorldCon in Spokane sein sollte, hatte ich genug Zeit an der Westküste übrig. Nach noch mehr Sightseeing machte ich mich auf den Weg nach Las Vegas. Ich wollte mir über meinen Geburtstag ein paar schöne Tage machen. Aber Vegas scheint mir kein Glück zu bringen. Damals das mit Peter und Jack und diesmal.. Aber dazu komm ich später. Ich war also gerade "on the road", hörte die Foo Fighters und war happy. Bis ich an einer Frau vorbeikam, die am Straßenrand stand. Ihr Motor dampfte und ich, Gentleman, der ich nun einmal bin, hielt natürlich an, um zu helfen. Sie erinnerte mich äußerlich etwas an Kelly, die ich letztes Jahr auf meiner NERD-TOUR kennengelernt hatte. Vielleicht war das der Fehler? Auf jeden Fall konnte ich ihr helfen. Ihr Kühler war überhitzt. Ich half ihr mit frischem Wasser aus und als ich gehen wollte, fiel mir auf, dass sie mich eben Matt genannt hatte. Obwohl ich mich gar nicht vorgestellt hatte. Wahrscheinlich hätte ich in dem Moment direkt nach Hause fahren sollen. Aber ich tat es natürlich nicht. Als ich wieder in meinen RV stieg, fand ich dort die aktuelle Ausgabe der "News International". Wie die Zeitung dorthin kam, keine Ahnung. Ich will es lieber auch nicht wissen. Stichwort: Ninjas. 

     

    Der Schlagzeile auf Seite 1 lautete "Nachruf auf eine Legende" und daneben ein mir nicht unbekanntes Gesicht. Jack MacGinley. Ich wusste zwar, dass er als verschollen galt, aber zu lesen, dass er offiziell für tot erklärt wurde, ließ mir trotzdem einen Schauer über den Rücken laufen. Trotzdem blieb ich mir sicher, dass Jack einfach nur Mist gebaut hatte und sich versteckte. Das konnte er ja gut. Back to the roots quasi. Die anderen Artikel berichteten von einer Convention in Australien, in der Prof. Dr. Dr. Dr. West - der mir ebenfalls nicht unbekannt war - hielt wohl eine Rede bei der ParaCon irgendwo in Australien. Ich weiß noch gut, dass Jack sich in seinem Buch nicht mit Kritik an Dr. West zurückhielt. Ein weiterer Artikel erzählte von einer Organisation namens Sphinx, die sich rücksichts- und skrupellos Zugang zu Artefakten beschafften. Der einzige Namen, der in Zusammenhang mit diesen Banditen bekannt war, ist Vincent Del Porto. Ein weiterer kleiner Artikel handelte sogar von mir. "Was wurde aus..." . Tja, schon doof, wenn die Presse nix über einen herausfinden kann. Daumen hoch an meine Presseabteilung. Also mich.

     

    Nachdem ich die Zeitung studiert hatte, setzte ich meine Fahrt fort und erreichte Las Vegas. Ich stieg im Venetian ab, machte mich frisch und ging spielen. -7000 $ später brauchte ich einen Drink. Coke on the Rocks. Für einen Moment dachte ich, ein bekanntes Gesicht gesehen zu haben, doch das entpuppte sich als Fata Morgana. Ich befand mich schließlich immer noch in der Wüste. Nachdem ich weitere 3000 $ verspielt hatte, meine Laune am Boden war - was hatte ich mir nur gedacht? - Wurde ich plötzlich von 3 Unbekannten und Prof. Dr. Dr. Dr. West angesprochen. Die 3 Unbekannten stellte er mir als Jessica Adams (PA von Dr. West), Sam O'Donnel (Dozent an irgendeiner Uni) und Cooper Anderson (Personenschutz für Dr. West) vor. Als ich einen weiteren Schluck von meinem Drink nehmen wollte, verschluckte ich mich und wäre fast erstickt. Erst das Heimlich-Manöver von Jessica Adams rettete mich. Dabei spuckte ich 6 Steine aus, die graviert waren. Wir setzten unser Gespräch in einem der Konferenzräume des Hotels fort. Die 4 verlangten tatsächlich von mir, dass ich mit ihnen zusammen für SPHINX die 6 fehlenden Steine finden sollte. Zusammen würden die Steine dann den sagenumwobenen Tierkreisstein ergeben, der - so sagt man - ungeahnte Macht hätte. Ach ja und wir sollten verhindern, dass die Steine zusammengesetzt würden. So weit so gut. Ab Sphinx war ich jedoch bereits raus und machte meinen Standpunkt klar. Ich sagte Ihnen, dass sie sich von Kriminellen haben instrumentalisieren lassen und wollte nix weiter hören, als plötzlich gegen die Tür geklopft wurde. Zimmerservice? Wir hatten nix bestellt. Ich ahnte Böses. Als versucht wurde die Tür gewaltsam zu öffnen, traten wir die Flucht über die Feuertreppe an. Fantastisch. Ich hatte Nein gesagt und doch flohen wir gemeinsam. Was nun? Wir blieben nicht lange unentdeckt und schon flogen uns Kugeln um die Ohren. Ein Wachmann ging zu Boden. Wir sprangen in das nächste Taxi, in dem sogleich die Heckscheibe in tausend Teile zerbrach. Noch während der Fahrt konnten wir im Radio hören, dass nach uns gefahndet wurde. Man unterstellte uns den Mord an dem Wachmann. 1. falsch und 2. wie schnell ist die Polizei in Las Vegas bitte? 

     

    Auf jeden Fall gelang uns die Flucht. Unser sympathischer Taxifahrer war uns dabei eine große Hilfe. Er brachte uns zu dem kleinen Flugplatz von seinem Onkel Bob. Leider war Onkel Bob ein ziemliches Wrack. Und sein kleines Flugzeug stand ihm dabei in Nichts nach. Ich ahnte Schlimmes. Wir einigten uns darauf, dass Onkel Bob uns über die Grenze nach Mexiko bringen würde. 

     

    [...] Natürlich stürzten wir ab. Sam sei Dank, überlebten wir das alles mehr oder weniger unbeschadet. Guter Mann. Wer Flugzeuge mehr oder weniger sicher landet, ist mir automatisch sympathisch. Wir fanden uns irgendwo im "Big Bend Nationalpark wieder". Als ich unseren Status online überprüfte, fand ich heraus, dass wir inzwischen per "Internationalem Haftbefehl" gesucht wurden. Dabei fällt mir ein, dass ich herausfinden muss, was "Ich war unschuldig. Alles nur ein Missverständnis. Ich bin weder Terrorist noch Mörder." auf Chinesisch heißt, nur für den Fall, dass Mrs. Chang die Nachrichten gesehen hätte. 

     

    Ich fand heraus, dass in der Nähe ein verlassener kleiner Flughafen war, dort wollten wir zumindest die Nacht verbringen. Während Dr. West wie ein besessener versuchte mit seinen Anwälten und sogar einem Polizisten, den er in Las Vegas kennengelernt hatte, die Sache zu regeln. Viel Glück dabei, dachte ich mir. Wir übernachteten dort, teilten die 6 Steine in unserem Besitz auf und vergruben einen sogar an Ort und Stelle als Rückversicherung unsererseits. Inzwischen waren sogar Videos aufgetauchte, die zeigten, wie wir den Wachmann in Las Vegas niederschossen. Die Videos waren nicht nur auf den ersten Blick getürkt für ein geschultes Auge wie meins, aber das würde die breite Öffentlichkeit wohl kaum interessieren. Ich nahm Kontakt auf zu einem Bekannten von mir, der sich daran machen sollte, die Originalüberwachungsvideos aufzutreiben und hoch zu laden. Das würde jedoch einige Zeit dauern. 

     

    [...] Und so konnten wir mit einem Schleuser den Weg über die Mexikanische Grenze antreten. Er brachte uns in sein Heimatdorf, in dem die Leute sich rührend um uns kümmerten. Ich glaube, Sam hatte sogar was mit einer der jungen hübschen Frauen, aber ich bin nicht sicher. An einem Abend wurde uns bewusst, dass uns nichts übrig bleiben würde, als die Steine aufzutreiben um dann etwas in der Hand zu haben, gegenüber denen, die uns offensichtlich vernichten wollten. Dr. West konnte dann herausfinden, bei wem sich die Steine in Besitz befänden. 2 waren in Paris, 1 bei Familie Obama, 1 wurde zuletzt bei Jack MacGinley gesehen, 1 bei Papst Benedikt XVI. a.d. und einer bei Steve Jobs. Na wunderbar. Auf jeden fall entschieden wir uns dafür, Jacks Stein als erstes zu bergen. 

     

    [...] Als wir in Chile landeten, war der Plan klar. Ausrüstung aufnehmen, zu Jacks letzter bekannter Position fliegen und dort weiterschauen. So weit, so einfach. Wir fanden schnell heraus, dass Jacks Expedition angegriffen worden war. Am Ende war ich es, der Jacks Leiche fand. Den Stein trug er immer noch um den Hals. Ich war mir sicher, er würde noch leben. Doch er wurde beim Angriff auf seine Expedition schwer verletzt, rettete sich in einen Felsspalt und erlag dort seinen Verletzungen. Während ich an seiner Leiche Wache hielt, gingen die anderen weiter in den Felsspalt hinein und fanden dort, weniger Meter hinter Jack MacGinley "El Dorado". Er hatte es also wirklich gefunden. Ich war stolz auf Jack. Wir beerdigten ihn dort, natürlich nicht, ohne uns jeweils das ein oder andere Souvenir von der Fundstätte mitzunehmen. Ich denke das wäre in Jacks Sinne gewesen. Den ungeprägten Goldbarren werde ich wie einen Schatz hüten. 

     

    [...] Paris, Frankreich. Wir fanden heraus, dass die Hüter der beiden Steine sogar zusammen in einem Anwesen vor Paris lebten, was uns natürlich in die Karten spielte. Wir kleideten uns neu ein und machten uns auf den Weg. Damit man uns nicht auf der Straße wiedererkennen würde, habe ich mir erlaubt, mich in die Server der nötigen Behörden einzuhacken, um Namen, Daten und Fotos zu verändern. Das muss die zuständigen Beamten wahnsinnig gemacht haben. Joseph McKean empfing uns. Er trauerte um seinen Lebensgefährten Jim Walcott, der erst vor kurzem während einer Unter-Wasser-Expedition ums Leben gekommen war. Joe übergab uns dann auch seinen Stein, als wir ihn danach fragten. Wo Jims Stein wäre, wusste er jedoch nicht. Er wisse nur, dass sein Lebensgefährte ihn nicht mit auf die Expedition genommen hätte. Wir vermuteten sofort, dass er sich in dem ziemlich verschmutzten, riesigen Aquarium vor deren Haus befände. Jacques, der Butler von Joe McKean, verriet uns dann noch, dass für den nächsten Tag die Reinigung des Aquariums vorgesehen war. Das brachte Sam auf eine Glorreiche Idee. Er rief bei der Firma, die leicht herauszufinden war, an und erklärte, dass ihm ein besonderer Stein in das Becken gefallen sei. Sie sollten diesen bergen und er würde ihn sich abholen, was auch wunderbar funktionierte. Das möchte ich hier mal hervorheben, Sams Talent für Sprachen ist außerordentlich und hat uns vieles erleichtert. Weiter ging es nach Italien, genauer gesagt, in die Vatikanstadt. 

     

    [...] Wir gaben uns als Rechercheteam der Cambridge Fakultät aus, die eine Dokumentation über den ehemaligen Papst drehen wollte und dazu mit ihm sprechen müsste. Sein Sekretär gab uns auch einen Termin. In 3 Monaten. Soviel Zeit hatten wir natürlich nicht. Also verlegte ich den Termin mit einem schnellen Hack auf den nächsten Tag. Im Gespräch warnte uns der Papst davor, dass die Steine nicht zusammengeführt werden dürften, übergab ihn aber an uns. 

     

    [...] Prof. Dr. Dr. Dr. West bestand darauf, sich nur mit Cooper Anderson im Schlepptau, mit Präsident Obama in Camp David zu treffen. Wir anderen versteckten uns solange in einem Trailer Park in der Nähe. Da ich nicht dabei war, kann ich nicht sagen, wie das Gespräch mit unserem Präsidenten lief, aber ich weiß, dass West und Coop den Stein in ihrem Besitz hatten, als wir sie wieder trafen. 

     

    Und auch an den letzten Stein sind wir gekommen. Die Umstände dessen werde ich nicht einmal hier niederschreiben. Ich schäme mich zu sehr. Das erinnert mich daran, dass ich dem Alta-Mesa-Gedenkpark noch eine großzügige Spende zukommen lassen will. 

     

    Jetzt mussten wir nur noch zurück zu dem Flughafen, wo wir einen der ersten Steine vergraben hatten. Als wir dort ankamen, war dieser NATÜRLICH verschwunden. Und dann hörten wir schon den Hubschrauber, der sich schnell näherte. Fliehen war nun zwecklos. Zu meiner Überraschung stieg nicht nur Vincent Del Porto aus dem Hubschrauber, sondern auch Paul Cerberos. Ich hatte mich noch nie so gefreut, ihn zu sehen, denn ich hatte eigentlich befürchtet, dass Del Porto uns einfach über den Haufen schießen lassen würde. Doch dem war nicht so. Wir flogen mit Paul und Del Porto in einem Hubschrauber auf die Bahamas. Während des Fluges erklärte uns Paul, dass SPHINX und die Garden Eden Society zusammen arbeiten würden. Die Männer, die uns das Leben so schwer gemacht hatten, waren Pauls Männer. Aus Versehen, wie er sagte. Na schönen Dank auch. Auf den Bahamas fügte Paul dann die Steine zusammen. Doch die Welt ging nicht unter, denn ich sitze hier und schreibe diese Zeilen. Der Tierkreisstein ist vielmehr ein Schlüssel. Wohin? Das werde ich nicht erklären (können), mir bleibt nur noch festzuhalten, dass wir die Insel anschließend ohne Paul verließen. Möge seine Seele in Frieden ruhen. Dr. West nahm die Steine an sich und einer der Männer von Paul übergab mir die Schlüssel zu dessen pompöser Yacht. Erbe? Wiedergutmachung? Beides? Egal. Ich freute mich sehr, auch wenn dies den Verlust eines Kontaktes wie Paul nicht ausgleicht. Ich werde die "James I" pflegen und hüten und habe sie direkt zur Feier des Tages Sam und Jessy überlassen, die sich die ganze Zeit über schon Urlaub, Ruhe und Spaß gewünscht hatten. Ich begleitete sie nicht, sondern wollte nur noch nach Hause und mich erholen.

     

    Am heutigen Tage ist einer der Steine, bei mir eingetroffen. Ich glaub dies hat mich so aufgewühlt, dass ich diese Zeilen loswerden musste. Sei es wie es sei. Es war ein Abenteuer. Erneut. Und ich hoffe, dass ich beim nächsten Mal besser vorbereitet bin. Dass es ein nächstes Mal geben wird, steht für mich außer Frage. Egal ob in 4 Wochen oder 4 Jahren.

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