Episode 3: Wolf Totem

Autor: Roger König
Freitag, 11 September 2020

  • Am 1. Juli 1977 wurde das Team der Hollow-Earth-Files der Division 4 von Mr. Casey Lee, einem Native und Rancher aus McNary, AZ (Teil des Fort Apache Indianer Reservats) aufgesucht. Mr. Lee berichtete uns davon, dass innerhalb von einer Nacht 12 seiner Rinder auf mysteriöse Weise starben. Mr. Lee hatte Beweisfotos dabei (siehe Anhang), die uns sogleich vermittelten, dass es sich bei diesem Fall um keine übliche Viehverstümmelung handelte. Er berichtete uns davon, dass so etwas in Einzelfällen in der Vergangenheit schon mal vorkäme, aber nie in dieser Größenordnung. Wir entschieden den Fall zu untersuchen und reisten noch in der Nacht über Albuquerque, NM nach McNary, AZ, wo wir am 2. Juli 1977 gegen Mittag auf der Ranch von Mr. Lee eintrafen.

    Am Tatort stießen wir direkt auf Sheriff George Bell, den hiesigen Gesetzeshüter, der uns berichtete, dass in der vergangenen Nacht zwei Dutzend weitere Rinder getötet worden waren. Anschließend dokumentierten wir den Tatort, machten Fotos der neuen Rinderleichen und suchten nach Spuren. SA Miller fand an einem Zaun mögliche Kratzspuren. Durch den unnatürlich großen Abstand zwischen den Krallen (3-4 cm) musste es sich um ein sehr großes Wesen handeln. Während wir mit dem Sheriff sprachen, fiel uns ein junger Mann, der sich später als Bruce Snow herausstellen sollte, auf, der in seinem rostroten 58er Chevy am Tatort ankam. Er wirkte aufgebracht über unsere Anwesenheit, doch nachdem der Sheriff mit ihm sprach, fuhr er davon.

    Nachdem wir den Tatort besichtigt hatten, entschieden wir uns, zunächst unsere Unterbringung sicherzustellen, um dann über unser weiteres Vorgehen zu entscheiden. Am General Store sahen wir erneut Bruce Snow, der sich mit einem blonden Mädchen (May Bishop, Tochter des General Store Besitzers) unterhielt. Als wir hielten, gingen SAC Morland und ich ins Geschäft, während SA Miller am Wagen blieb. Bruce Snow zeigte sich auch dort erneut aggressiv und auffällig, bis ein weiterer Wagen hielt und Daniel Bear, das Oberhaupt der ansässigen Hopi Indianer, ihn fortschickte. Mit ihm kam auch Albert Bishop, der uns mitteilte, dass es in der Nähe kein Hotel oder Motel gab, so dass uns nichts Anderes übrigblieb, als zwei Camper auf dem Indian Pines Campingplatz zu mieten.

    Der Campingplatz befand sich innerhalb eines uralten Pinienwaldes und war dementsprechend äußerst unübersichtlich. Es gab dort einen großen Hauptplatz mit einem großen Lagerfeuer, wo gemeinsam gespeist und gefeiert wurde, und daneben viele verschlungene Wege tiefer in den Wald, zu den verschiedenen Stellplätzen der Camper, je nach Volk und Sippe. Uns wurde klar, dass wir äußerst vorsichtig vorgehen mussten, da wir vom Good-Will der Natives mehr oder weniger abhängig waren. Wir entschieden der Einladung zum Abendessen am großen Lagerfeuer nachzukommen um im Anschluss die Nacht mit der Überwachung der Rinder von Mr. Lee zu verbringen.

    Beim Essen stellte uns Daniel Bear mehrere Mitglieder der Stämme vor, teilte uns jedoch auch mit, dass wir uns aus den Angelegenheiten seines Volkes heraushalten sollten. Bruce Snow sahen wir zuvor "turtelnd" mit May Bishop, eher er erneut uns gegenüber aggressiv und auffällig wurde, so dass sein Bruder Luke ihn zurückhalten und fortziehen musste. Daniel Bear entschuldigte daraufhin für sein Verhalten bei uns und teilte uns mit, dass "wir nicht alle so sind."

    Im Anschluss fuhren wir zur Ranch von Mr. Lee und verteilten uns auf dem Gelände. Mr. Lee lag mit seinem Gewehr im Anschlag auf dem Dach seiner Ranch. Je später es wurde, desto häufiger konnten wir unterschiedliches Geheul wahrnehmen, und außerdem Trommeln. Diese konnten nicht vom Campingplatz stammen, da sie erst später einsetzten. Später gelang es uns einen überdurchschnittlich großen Wolf zu erlegen, doch trotzdem starben in dieser Nacht 8 Rinder. Für Mr. Lee und den Sheriff war der Fall damit abgeschlossen, doch wir waren anderer Meinung, da die Wunden an den Rindern in keiner Weise mit den zuvor getöteten Rindern übereinstimmten und auch die Krallen des erlegten Wolfes passten nicht zu den Spuren, die wir zuvor entdeckt hatten. Außerdem hatte meine Polaroid-Kamera beim Sprinten auf die Weide zweimal versehentlich ausgelöst. Auf den Bildern war schemenhaft ein unnatürliches Wesen zu sehen.

    Am folgenden Morgen wurden wir vom Sheriff abgeholt, da es einen menschlichen Todesfall gegeben hatte. Südlich von McNary im Wald, hatte John Locklear, ein WWII-Veteran, die Leiche von May Bishop bei seinem Morgenspaziergang gefunden. Die Leiche sah aus, als wäre sie von einem großen Tier angefallen worden (siehe Anhang). Wir ließen die Leiche zu Dr. Sandra White bringen, die eine erste Leichenschau durchführen sollte. Bevor wir die Szenerie verließen, gelang es uns noch mehr von John Locklear zu erfahren. Nachdem wir ihm die Bilder des unnatürlichen Wesens zeigten, erzählte er uns von der Legende des "Skinwalkers" und nannte ihn "Der, der auf allen vieren geht", eine Art Dämon oder Fluch, die ein abtrünniger Schamane heraufbeschworen könnte.

    Auf Nachfrage erzählte uns der Vater des Opfers, Albert Bishop, dass seine Tochter die Feier am Abend des Vortages gegen Mitternacht verlassen hätte, kurz zuhause war und dann wieder ging "wie es Teenager eben tun". Am Abend desselben Tages fand dann eine sehr eindrucksvolle Trauerfeier nach Native-Art für May Bishop statt. Diese wurde jäh unterbrochen, als wir einen markerschütternden Todesschrei aus Richtung unserer Camper hörten. Dort fanden wir die Leiche von John Locklear, dem ein Arm ausgerissen worden war und ein großes Stück Torso, sowie der rechte Scheitel fehlten. Außerdem war einer unserer Camper beschädigt worden. Am Lauf des Gewehrs von Mr. Locklear konnten wir braunes Fell sicherstellen (siehe Anhang). Kurz darauf wurden wir von einem Deputy des Sheriffs abgeholt, da es einen Vorfall in der Praxis von Dr. White gegeben hatte. Die Haustür war von innen nach außen aufgebrochen. Dr. White berichtete uns, dass sie, einige Stunden zuvor, gerade mit der Leichenschau beginnen wollte, als sie bemerkte, dass die Leiche verschwunden war. In dem Moment wurde sie von hinten niedergeschlagen. Ihre Praxis sah aus, als hätte sich etwas Großes durch ihren Flur bewegt. Auch am Türrahmen, konnten wir ein braunes Fell sicherstellen (siehe Anhang). Der Deputy brachte uns anschließend zurück zu unseren Campern, wo wir den Schaden untersuchten. Es schien nichts zu fehlen. Die Schäden waren ausschließlich von außen. Inzwischen regnete es stark und plötzlich hörten wir vielstimmiges Wolfsgeheul, dass klang, als käme es aus verschiedenen Richtungen näher. Wir wollten mit unserem Mietwagen davonfahren, doch jemand hatte ihn sabotiert. Das Wolfsgeheul kam immer näher als plötzlich Daniel Bear mit seinem Camper bei uns hielt und uns sagte, er würde uns in Sicherheit bringen. In hoher Geschwindigkeit fuhr er mit uns davon, wir konnten dem Straßenverlauf nicht folgen, da der Camper über keine Fenster verfügte. In einer Räucherschale qualmte etwas, ehe wir merkten, dass wir immer benommener wurden. Dann hielt der Wagen und Daniel Bear, der uns während der Fahrt auf keine Nachfrage, wohin er uns brachte, antwortete, verließ den Wagen mit den Worten "Ich entschuldige mich, wir sind nicht alle so." Draußen konnte ich, bevor ich das Bewusstsein verlor, dutzende riesige Wölfe sehen. Als wir gegen Mittag des 5. Julis 1977 in unserem verbliebenen Camper erwachten, fanden wir den Campingplatz fast verlassen vor. Mindestens 100 Campingwagen waren weg. In der Nähe unseren Camps fanden wir den nackten Leichnam von Bruce Snow. Er sah aus, als wäre er von einem wilden Tier zerfleischt worden.

    Zusammenfassung:

    Bei den Campern von Indian Pines, die am Ende des Falls geflohen waren, handelt es sich um das, was sich gemeinhin "Werwölfe" nennt (siehe Fallakten "Nottingham" und "Run with the Pack"). Zu den Geflohenen gehören unter anderem Daniel Bear, Luke Snow und auch George Bell, den Sheriff des Counties. Diese lebten inzwischen seit Jahren ungestört auf dem Campingplatz, vor allem seit es George Bell gelang, sich sogar zum Sheriff wählen zu lassen. Bruce Snow jedoch hatte sein Temperament nicht im Griff, übertrieb es mit den Überfällen auf die Rinder von Mr. Casey Lee, so dass dieser die Behörden einschaltete. Ein Alptraum für das Rudel.

    Was den Tod von May Bishop angeht, nehmen wir an, dass diese von Bruce Snow attackiert wurde, und dadurch ebenfalls zur Werwölfen wurde. Dies bedeutete für Bruce Snow, dass sie von nun an, sobald das Rudel weiterziehen würde, mit ihnen käme. Als sie später in der Praxis von Dr. White erwachte, war sie so irritiert darüber, was passiert ist und wo sie ist, dass sie sich verwandelte, anschließend Dr. White niederschlug und floh.

    Was den Tod von John Locklear angeht, sind wir der Annahme, dass er Bruce Snow dabei erwischt hat, wie dieser unseren Wagen manipuliert hat, ehe Bruce Snow ihn im Kampf als Werwolf gewaltsam zum Schweigen brachte (ob es sich bei John Locklear ebenfalls um einen Werwolf gehandelt hat, ist nicht zu belegen). Der Mord an John Locklear war es jedoch, der das Fass zum Überlaufen brachte, Bruce Snow hatte einen von ihnen (Mensch? Native? Werwolf?) umgebracht, und damit ein ungeschriebenes Gesetz gebrochen. Dafür musste er sterben. Es ist anzunehmen, dass sich das große Rudel nun in viele kleine aufsplittern wird, da die Behörden nach unserer Untersuchung auf der Suche nach ihnen sind.

    >> Großer Geist, bewahre mich davor, über einen Menschen zu urteilen, ehe ich nicht eine Meile in seinen Mokassins gegangen bin. <<

    Ein Sprichwort der Apachen

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